Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Kann die Corona-App auch unsere Kinder vor dem Virus schützen?

Pro und Contra

Kann die Corona-App auch unsere Kinder vor dem Virus schützen?

Seit heute könnt ihr die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts herunterladen. Die App ist eigentlich für Personen ab 16 Jahren gedacht. Doch Justizministerin Christine Lambrecht empfiehlt sie sogar für Kinder. Was halten wir davon, wenn unsere Kinder ständig Bewegungs- und Ortungsdaten auf ihrem Handy aussenden? Ein Pro und Contra.

Christine Lambrecht empfiehlt die Corona-App auch für Kinder

Die viel diskutierte Corona-App soll den Gesundheitsämtern helfen, die Personenketten nachzuvollziehen, mit denen ein Infizierter Kontakt hatte. Die Tracing-App (englisch für Verfolgen) sendet via Bluetooth permanent Daten an andere App-Nutzer in der Umgebung und warnt uns davor, wenn eine Person mit dem Corona-Virus in der Nähe war.

Aus meiner Sicht ist die Corona-Warn-App für Kinder mit Smartphones genauso zu empfehlen wie für Erwachsene.

Christine Lambrecht zur Funke-Mediengruppe

Die Justizministerin sieht die Nutzung auch für Kinder-Handys als sinnvoll. Sie weist jedoch darauf hin, dass die Eltern bei Minderjährigen einwilligen müssen, dass Kinder unter 16 Jahren die App installieren können. Das sollen laut der SPD-Politikerin die Familien selbst entscheiden. Warum sie dies für sinnvoll erachtet, führt sie nicht weiter aus. Sie erwähnt auch nicht, ab welchem Alter ihrer Meinung nach ein Kind die App unbedenklich nutzen könne bzw. sollte.

Corona App Playstore

Sie warnt jedoch noch davor, dass wir Nutzer*innen generell vorsichtig beim Download der App sein sollten, dass wir auch wirklich die offizielle App der Bundesregierung herunterladen und keine ähnlichen Anwendungen. Hier könnte eine Sicherheitslücke entstehen, durch die Angreifer unserer Daten ausspäen könnten. Aus Sicht der Datensicherheitsexperten sei die Anwendung insgesamt unbedenklich und weise eine hohe Sicherheit auf. Denn Personendaten würden nicht zentral gespeichert, die Ortungsdaten nach 14 Tage gelöscht werden und man würde als Person anonym bleiben. Ist es daher eine gute Idee, wenn unsere Kinder die App herunterladen?

Wie die App unseren Kindern helfen könnte: Ein Pro

Im Prinzip könnte man argumentieren, dass die App auch bei Jugendlichen und Kindern helfen kann, nachzuvollziehen, mit wem sie Kontakt hatten, wenn sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden. So könnte das Gesundheitsamt schneller agieren und diejenigen zu einem Coronatest schicken, die Kontakt mit der Person hatten bzw. die Betroffenen schneller in die Quarantäne schicken. So könnte die App über Umwege sozusagen bestimmte Menschen vor dem Virus schützen. Dazu müsste die App bzw. die Risiko-Ortung immer aktiviert sein und das bedeutet, dass die Standortdaten sowie Bluetooth ebenfalls immer aktiv sein müssen, sobald man sich außerhalb des eigenen zu Hauses bewegt. Die App selbst löscht zwar nach 14 Tagen die ausgetauschten Ortungsdaten, aber das Handy des Kindes sendet permanent seinen Standort.

Was die App für die Smartphone-Nutzung von Kindern bedeutet: Ein Contra

Damit das Gesundheitsamt die Kontaktketten der Infizierten nachvollziehen kann, müssten möglichst alle unsere Kinder die App nutzen. Als Eltern müssten wir dann dafür Sorge tragen, dass bei einem positiven Test das Ergebnis auch übermittelt wird. Zudem würde es heißen, dass auch jüngere Kinder am besten immer ein Smartphone bei sich haben sollten. Doch da die App nur auf Android-Versionen ab 6.0 (Marshmallow) läuft, fallen ältere Handys schon raus. iPhone-Nutzer müssten mindestens ein iPhone 6s haben. Sollten eure Kinder also ein altes Smartphone von euch nutzen, kann es sein, dass die App gar nicht installiert werden kann. Die App braucht zudem einen gewissen Speicherplatz und Akkugröße, denn die permanente Datensendung kostet Akkuleistung.

Zudem bleibt die Frage nach der generellen Handynutzung von jüngeren Kindern: Sollen jetzt auch die Grundschüler ständig mit Smartphone herumlaufen, damit die Risikoortung möglichst viele Daten verzeichnen kann? Zudem ist die Handynutzung in vielen Schulen untersagt und das Handy muss in der Tasche verstaut werden bzw. in manchen Schulen auch im Spint. Das regelt jede Schule unterschiedlich.

Da die Mediennutzung durch den Corona-Lockdown sowieso schon zugenommen hat, würde dann hier noch eine weitere App dazu kommen, die unsere Teenie-Kinder dann dazu bringt, ihr Smartphone noch mehr zu nutzen, als so schon. Die Justizministerin weist zwar darauf hin, dass Eltern bei der Installation dabei sein sollten. Doch dass Kinder dann permanent Daten über ihren Standort senden und noch nicht 100 % absehbar ist, ob es nicht doch Datenlücken gibt, bleibt ein Rest von Unsicherheit.

Mundschutz-Trend: Coole Mund-Nasen-Masken für eure Kinder

Mundschutz-Trend: Coole Mund-Nasen-Masken für eure Kinder
Bilderstrecke starten (15 Bilder)

Eine App ersetzt keinen Mundschutz

Die App löst in jedem Fall nicht das Abstand halten, Hände waschen und Tragen eines Mundschutzes ab. Das ist immer noch das beste Mittel. Denn auch wenn man gewarnt wird, dass eine infizierte Person für gewisse Zeit in der Nähe war, sagt die App nichts darüber aus, wo sich die Infektion noch in der Umgebung befindet. Wie wir ja mittlerweile wissen, ist die Übertragung durch Aerosole in der Luft nicht zu unterschätzen. Zudem kann sie auch nur funktionieren, wenn überhaupt Menschen, die das Virus haben, die App nutzen und ihren positiven Test dort eintragen, um andere zu schützen.

Katja Nauck
Das sagtKatja Nauck:

Meine Meinung

Ein Kind unter 10 Jahren sollte für mich definitiv noch kein eigenes Smartphone bekommen und die Nutzung sollte auch für kleinere Kinder eher eingeschränkt sein. Daher entsteht bei mir eher ein Stirnrunzeln bei diesem Vorschlag. Ich gehe noch mit, dass ein Kind von 14 oder 15 Jahren schon in der Lage ist, zu verstehen, was die App bedeutet und worum es geht. Doch bei jüngeren Kindern ist das nicht gegeben. Zudem würde das eine ständige Kontrolle des Handys auch für die Eltern bedeuten. Auch das ständige Mitführen des Smartphones und aktivieren von Standort und Bluetooth sehe ich eher kritisch. Nicht nur, dass es den Akku innerhalb kurzer Zeit nach unten fährt, auch die mobilen Daten müssen permanent laufen und da sind die Daten schnell verbraucht. Als Eltern müsste man dann dem Kind auch vermitteln, dass es das Smartphone immer bei sich führen müsse, damit das Tracing funktioniert. Das ziehen auch die Argumente für eingeschränkte Handynutzung irgendwann nicht mehr. Daher halte ich die Empfehlung der App selbst, die die Anwendung ab 16 Jahren ausweist, eher für richtig.

Bildquelle: Getty Images/Kerkez

Galerien

Lies auch

Teste dich