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Virologe Drosten: "Wir werden Probleme kriegen mit der unbeschränkten Schulöffnung"

AHA-Regeln

Virologe Drosten: "Wir werden Probleme kriegen mit der unbeschränkten Schulöffnung"

In einem Interview mit dem Tagesspiegel zeigt sich Prof. Christian Drosten besorgt, ob Schulen wohl weiterhin geöffnet bleiben werden. Außerdem hat er einen Tipp, worauf es im Winter ankommen wird. Fraglich ist nur, ob die Schulen das schaffen werden.

Die Schüler*innen sind zurück in den Schulen, jedenfalls in der Theorie. In der Praxis sind einige auch schon wieder Zuhause, weil ein oder mehrere Schüler*innen positiv auf Covid-19 getestet wurden. Das lässt sich auf der Karte verfolgen, die von der Twitter-Userin @thinktank197 erstellt wurde.

Immer mehr Schulen sind von Corona betroffen

Klar ist: Es sind immer mehr Schulen und Kitas betroffen. Wir Eltern wissen auch, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die eigenen Kinder wieder Zuhause bleiben müssen. Entweder, weil die Schnupfnase oder der Husten als Symptom zählt und die Schule für einen Tag nicht besucht werden kann, oder, weil es tatsächlich einen positiven Corona-Test im Umfeld gab.

Zuviel Zeit verstreichen lassen

Virologe Drosten findet das auch nicht verwunderlich, denn in den Schulen und Kitas sind einfach viele Kinder auf engem Raum zusammen. Und er ist der Ansicht, dass im Sommer zu viel Zeit damit vertan wurde, über seine Forschung zu streiten.

Kritischer Diskussion meiner Forschungsergebnisse stelle ich mich immer. Der Diskurs ist durch Schlagzeilen angestoßen worden, hat sich dann aber fortgesetzt, weil Fachfremde aufgesprungen sind. Dadurch haben wir Zeit verloren. Ich habe immer gesagt, dass die Schulen offenbleiben sollten, aber man muss doch darüber reden, wie das erreicht werden kann, wie Arbeitsschutz für Lehrer und Fürsorgepflicht für die Schüler trotzdem gewährleistet werden.Da muss etwa geklärt werden, ob die Schüler immer noch in einem geschützten rechtlichen Bereich sind, wenn man etwa Hallen oder Festzelte anmietet, um für mehr Abstand zu sorgen, ob der Arbeitsschutz ständige Zugluft zulässt, und was Ventilatoren kosten würden… Mai, Juni, Juli, August – vier Monate hätte man Zeit gehabt, wenn nicht gleich zu Anfang die entscheidende Information verzerrt worden wäre durch einen Angriff auf meine Person und die wissenschaftliche Arbeit meiner Arbeitsgruppe.

Prof. Drosten im Interview mit dem Tagesspiegel

Und nun sind diese vier Monate lange vorbei. „Jetzt sind wir fast wieder in einer ähnlichen Situation wie damals. Wir werden Probleme kriegen mit der unbeschränkten Schulöffnung, wie sie inzwischen stattgefunden hat." Das sagt Drosten und ja, das kann einen als Elternteil schon beunruhigen.

Hygienepläne fragwürdig

Denn: Es gibt ja nach wie vor keinen wirklichen Plan. Wir alle sollen uns weiter an die AHA-Regeln halten, ans Abstand halten, Hygienemaßnahmen durchführen und Alltagsmasken tragen. Aber gerade Abstand halten klappt in der Schule ja nicht so richtig.

Die Hygienekonzepte an Schulen werden fortlaufend überarbeitet, aber an vielen Stellen fehlt schon die Ausstattung, um die für das jeweilige Bundesland geltenden Maßnahmen umzusetzen.

Drostens Tipp: Mehr Lüften!

So ist der Rat von Prof. Drosten dann für manche Schulen auch schwierig. „Ich kann nur sagen, dass es wichtig wäre, durchzulüften", sagt der Virolge und ergänzt, dass das Lüften nach aktuellem Datenstand sogar noch wichtiger ist, als Händewaschen. Gut zu wissen, dann brauchen die Schulen eben nur noch Fenster, die das Durchlüften überhaupt erst möglich machen.

Einschränkungen für alle

Es ist klar, dass alle während der Pandemie Einschränkungen hinnehmen müssen. Für "ich hab keine Lust" steht zuviel auf dem Spiel, Menschenleben nämlich. Und klar können wir unseren Kindern eine Jacke mehr mit in den Unterricht geben. Aber irgendwie macht es auch ein bisschen hilflos, dass wir unsere Kinder nicht mehr schützen können, als durch Einhaltung der AHA-Regeln und Unterricht in zugigen Räumen.

Quelle: Tagesspiegel

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Wie wohl die meisten Eltern beschäftige ich mich natürlich viel mit Corona und dem Schutz vor Ansteckung. Es gibt Tage, da denke ich, wir werden das als Gesellschaft schon schaffen. Und Tage an denen ich denke, ich kann und will nicht mehr. Wenn ich lese, dass Lüften und AHA-Maßnahmen das Einzige sind, was wir tun können (und da braucht es ja die aktive Mithilfe jedes einzelnen) dann werde ich manchmal mutlos.

Denn an den Schulen und in den Kitas sind so viele andere Kinder die aus Familien kommen, die vielleicht ganz andere Ansichten haben. Dagegen zu argumentieren oder wenigstens um Verständnis zu werben, macht müde. Ich will andere Eltern nicht ermahnen im Schulhaus bitte ihre Maske aufzusetzen.

Denn klar ist: Wir schaffen das alles nur gemeinsam.

Bildquelle: getty images / Sean Gallup / Staff

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