Für Links auf dieser Seite erhält familie.de ggf. eine Provision vom Händler, z.B. für mit oder grünblauer Unterstreichung gekennzeichnete. Mehr Infos.
Mütter machen Porno: Darum ist diese Show so wichtig

Verstörend

Mütter machen Porno: Darum ist diese Show so wichtig

"Mütter machen Porno" heißt eine neue Dokumentation bei Sat.1. Und sie ist teilweise verstörend und unglaublich wichtig.

Teenies schauen Pornos

Pornos sind ganz sicher nichts für jede*n. Aber Fakt ist: Unsere Kinder kommen mit ihnen früher oder später in Kontakt. Und deswegen ist es wichtig, dass wir Eltern uns eben auch mit diesem Thema beschäftigen. In der Doku "Mütter machen Porno" haben sich fünf (zusammengecastete) Mütter entschieden, einen Pornofilm zu drehen, den sie ihren Ü-18-Kindern zeigen würden.

Mütter machen Porno

Natürlich filmen die Frauen sich nicht selbst, sie wollen Darsteller*innen beauftragen, schreiben das Drehbuch und führen Regie. Das gibt es aber erst in Folge 2 (29.07.20, ab 20:15 Uhr bei Sat.1) zu sehen. In der ersten Folge ging es vor allem um die Frage: Was soll alles nicht gezeigt werden?

Was soll nicht gezeigt werden?

Und diese Liste ist lang. Länger, als die Mütter zunächst vermutet hatten. Denn für die meisten spielen Pornos im eigenen Alltag keine Rolle. Für ihre Teenagerkinder aber durchaus. Da werden Fotos und kleine Videos in Chats geteilt oder mal im Netz nach "Porno" gesucht.

Problem ist, was die Jugendlichen im Netz finden

Das Problem ist nicht die Neugier der Kinder, das Problem ist, was sie da finden. Es gibt einen nahezu unbegrenzten Zugang zu frauenverachtender Pornographie. Wenn Kinder damit allein gelassen werden, kann sie das zutiefst verstören. Ob "Gang Bang", "MILF" oder "Fisting", alles ist nur einen Klick entfernt, das erzählten einige in Interviews. Und was den Erwachsenen und meist männlichen Zuschauer erregt, ist für neugierige Pubertierende schlicht ungeeignet.

Zehnjährige schauen Porno

In der Dokumentation werden immer wieder auch Jugendliche befragt, zum ersten Porno, zu ihren Learnings aus den Filmen oder zu den verstörenden Sachen, die sie dort gesehen haben. Vor allem die Antworten sollten Eltern hellhörig werden lassen. Wenn Zehn- oder Zwölfjährige aus Zufall und Neugier Videos sehen, in denen Frauen erniedrigt und vergewaltigt werden, dann macht das was mit ihnen.

Schwer zu ertragende Gewalt gegen Frauen

Selbst die verpixelten Ausschnitte, die in der Dokumentation gezeigt wurden, verstörten mich. Die Geräusche, die die Frauen in den Videos machen reichten, um ein Kopfkino in Gang zu setzen, von dem ich mich längere Zeit nicht erholen werde. Wie muss es da Pubertierenden gehen, die das alles noch weniger einordnen können als ich?

Pornos als Aufklärung? Wohl kaum

Ein junger Mann erklärte, dass er durch Pornos aufgeklärt worden sei. Und genau das ist das Problem. Denn Pornos betreiben keine wirklich Aufklärung. In den allermeisten Fällen zeigen sie Genitalien. Aber für Anatomieaufklärung schaut sicher niemand zu. Was Pornos nicht zeigen, ist Sex. Und genau das wollen unsere Kinder doch aber kennenlernen, wenn sie sich auf die Suche machen.

Sex muss nicht immer was mit Liebe zu tun haben

Es geht überhaupt nicht darum Sex zu romantisieren, es muss da auch nicht immer die erste große Liebe im Spiel sein. Aber wenn Jugendliche Pornos gucken, dann sollten sie auch nicht sehen, wie Frauen wie Objekte behandelt werden.

Junge Frauen sollten nicht sehen, wie Pornodarstellerinnen erniedrigt werden und nur von Männern für deren Erregung benutzt werden. Und Jungen sollten Frauen niemals so behandeln wie die Pornodarsteller es in den Filmen tun.

"Mütter machen Porno" - das Ergebnis ist nicht ganz so wichtig

"Mütter machen Porno" ist nicht wegen der Idee, dass Mütter nun einen vollkommen anderen, "besseren" Porno drehen so wichtig. Das fertige Produkt ist für mich überhaupt nicht interessant. Aber dass wir Zuschauer*innen in Folge 1 dazu gezwungen werden uns mit dem Rollenbild von Frauen in diesem Filmen und leider auch im Allgemeinen auseinanderzusetzen, das ist großartig.

Pornos sind männlich

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Pornowelt männlich geprägt, der Lustgewinn des Mannes steht klar im Vordergrund. Frauen werden benutzt, damit Männer zum Orgasmus kommen. Die fünf Mütter sind bei einem Pornodreh dabei, der Darsteller hat am Ende Schwierigkeiten zu ejakulieren. Er fordert die Drehpartnerin auf, ihm behilflich zu sein.

Und alle haben Mitleid, weil es nicht klappt wie geplant. Dass diese Darstellerin ihren Körper einsetzen muss, damit er seine Arbeit machen kann wird leider auch in der Dokumentation ausgeblendet, Der männliche Blick und die benutzte Frau bleibt leider da auch erhalten.

"Mütter machen Porno" bietet Gesprächsanlass für Familien

Und doch ist "Mütter machen Porno" ein mutiger Vorstoß und ein Gesprächsanlass, um mit unseren älteren Kindern ins Gespräch zu kommen. Über Pornos im Internet, Sex und Geschlechtsverkehr. Klar ist das erstmal irgendwie unangenehm. Aber vielleicht bietet die Dokumentation ja Möglichkeiten für euch, das in eurer Familie zum Thema zu machen.

Andrea Zschocher
Das sagtAndrea Zschocher:

Meine Meinung

Meine Kinder sind noch viel zu jung, um über Pornos und Geschlechtsverkehr zu sprechen. Und doch weiß ich natürlich, dass diese Zeit kommen wird. Und ich will, dass meine Kinder wissen, dass Pornos keine Realität abbilden. Die Vorstellung, dass meine Kinder in einigen Jahren mit solchen gewaltvollen Bildern in Kontakt kommen könnten, macht mir große Sorgen. Deswegen ist es wichtig immer wieder nachzufragen, im Gespräch zu bleiben. Auch dann, wenn sie vielleicht nicht so gern drüber sprechen.

Bildquelle: getty images / martin-dm

Galerien

Lies auch

Teste dich