Stress in der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Persönlichkeitsstörung beim Kind

Neue Studie

Stress in der Schwangerschaft erhöht das Risiko einer Persönlichkeitsstörung beim Kind

Eine umfassende britische Studie hat sich mit den Langzeitauswirkungen von Stress in der Schwangerschaft auf die psychische Gesundheit von Kindern befasst. Sie verglich die Krankengeschichten von 3.600 Über-30jährigen mit dem Stresslevel ihrer Mütter während Schwangerschaft. Einige Untersuchte litten unter einer starken Persönlichkeitsstörung, die in direkter Verbindung mit dem Stressempfinden ihrer Mütter stand.

Auf Arbeit viel zu tun, Zoff mit dem Partner, körperliche Beschwerden: Stress ist auch in der Schwangerschaft keine Seltenheit.

Wohl die meisten werdenden Mütter (und Väter) haben mit Stress während der Schwangerschaft zu kämpfen, denn der Alltag mit Schwangerschaftssymptomen ist nicht immer leicht zu bewältigen. Besonders Übelkeit, Schlafmangel und Rückenschmerzen können die Leistungsfähigkeit beeinflussen und die Hormonumstellung kann dazu führen, dass wir auf viele Dinge emotionaler reagieren als sonst. Stress schleicht sich wohl mehr oder weniger in jede Schwangerschaft ein, sodass viele Eltern sich die Frage stellen, ob sich der Stress auf ihr Baby auswirken kann. Denn, auch wenn wir wissen, dass Stress ungesund ist: berufliche, soziale und emotionale Belastungen lassen sich oft schwer beeinflussen – egal, ob schwanger oder nicht.

Starker Stress kann sich auf die Schwangerschaft auswirken

Mediziner gehen davon aus, dass leichter und kurzzeitiger Stress wie Zuspätkommen, eine schwierige Deadline oder Streit mit dem Partner keine oder geringe Auswirkungen auf das Baby oder die Schwangerschaft haben – und einfach zum Leben dazugehören. Langwieriger oder chronischer Stress hingegen kann zu vorzeitigen Wehen führen und so eine Frühgeburt begünstigen. Starke Stress-Episoden, die z. B. der Verlust eines geliebten Menschen, die Trennung vom Partner oder ein Unfall auslösen können, können unter Umständen zu einer Fehlgeburt oder Frühgeburt führen. Weitere Auswirkungen machen sich erst lange nach der Geburt bemerkbar: So ist die Wahrscheinlichkeit psychischer Erkrankungen des Kindes nach einer stressigen Schwangerschaft erhöht. Laut einer neu veröffentlichten Studie können bei im Mutterleib gestressten Kindern später Depressionen, eine verstärkte Neigung zum Drogenmissbrauch und andere Probleme auftreten.

Über 30-jährige Studie zu den Auswirkungen von Stress in der Schwangerschaft

Die im British Journal of Psychiatry veröffentlichte Langzeitstudie hat eine Verbindung zwischen Langzeitstress und einer möglichen Persönlichkeitsstörung des Kindes festgestellt. Dabei wurden zwischen 1975 und 1976 über 3.500 finnische Frauen monatlich zu ihrem Wohlbefinden befragt – und die Krankengeschichte ihrer Kinder über 30 Jahre später überprüft. 40 Kinder litten an einer Persönlichkeitsstörung und benötigten alle klinische Hilfe. Damit ist die Wahrscheinlichkeit zwar zum Glück sehr gering, aber es konnte eindeutig eine direkte Verbindung zum Stress in der Schwangerschaft hergestellt werden. Außerdem erhöht sich durch vorgeburtlichen Stress das Risiko einer Persönlichkeitsstörung um ein Vielfaches.

Stress kann eine Langzeitwirkung auf das Baby haben

So hatten Kinder, deren Mutter in der Schwangerschaft unter starkem Stress litt, das siebenfache Risiko, an einer Persönlichkeitsstörung zu erkranken als Kinder, deren Mütter sich nicht gestresst fühlten. Moderater und auch nur leichter Stress erhöhte das Risiko ebenfalls um das Dreifache. Andere begünstigende Faktoren wie Depressionen und Persönlichkeitsstörungen der Mutter und Rauchen während der Schwangerschaft wurden bei der Auswertung bereits berücksichtigt und konnten hier ausgeschlossen werden. Worin genau der Zusammenhang zwischen dem Stress der Mutter und den psychischen Leiden der Kinder besteht, ist bisher nicht belegt. So könnten z. B. chemische Prozesse während der Entwicklung im Mutterleib oder genetische Faktoren eine Rolle spielen.

Was kann man gegen Stress in der Schwangerschaft tun?

Nicht immer können Eltern das Aufkommen von Stress in der Schwangerschaft beeinflussen oder finden leicht Mittel und Wege, damit umzugehen. So sieht auch die Studie hier nicht die Verantwortlichkeit bei den Eltern, sondern bei der Schwangerenvorsorge durch das Gesundheitssystem. Zum einen hat sich in den letzten 40 Jahren auf diesem Feld und auch im Mutterschutz natürlich sehr viel getan und es gibt viele Angebote für Mütter, die sich in der Schwangerschaft gestresst und überfordert fühlen. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Lösungswege aktiv während der Vorsorge von Gynäkologen und Hebammen kommuniziert werden sollten – am besten bevor erste Stress-Symptome auftauchen.

Anlaufstellen bei Stress in der Schwangerschaft

Der erste Ansprechpartner bei Stress sollte deine Gynäkologin oder Hebamme sein. Auch das zuständige Gesundheitsamt oder deine Krankenkasse kann z. B. Informationen zu Kursangeboten bereitstellen. Hilfestellungen zum Umgang mit Stress in der Schwangerschaft sind oft angesprochene Themen im Schwangerschaftsyoga und in Geburtsvorbereitungskursen. Wichtig ist, dich jemandem anzuvertrauen, für Entlastung zu sorgen und aktive Entspannungs-Elemente in den Alltag zu integrieren. Auch lokale Schwangerschaftsberatungen und Telefonseelsorgen wie die Nummer gegen Kummer unter 0800 111 05 50 oder das Frauen-Krisentelefon unter 030 615 42 43 stehen bei Schicksalsschlägen und Alltagsmomenten mit viel Rat zur Seite. Stress betrifft uns alle und hat Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und das unserer Mitmenschen. Das beste ist, sich so gut wie möglich vorbeugend zu wappnen, bevor er überhand nimmt.

Quellen: The British Journal of Psychiatry 

Bildquelle:

Getty Images

Galerien

Lies auch

Teste dich