Schwangerschaftsgelüste: Darauf haben werdende Mamas Appetit

Schokolade, jetzt! Oder besser noch, Eiscreme! Oder lieber doch Kartoffelchips? Vielleicht reizt Sie auch der Biss in eine Zitrone? Woher die zum Teil starken Essensgelüste in der Schwangerschaft kommen und was hinter dem grenzenlosen Appetit auf ganz bestimmte Lebensmittel stecken könnte.


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Viele Schwangere kennen ihn, den unstillbaren Appetit auf ein bestimmtes Lebensmittel. Egal ob es die sauren Gurken sind, fettiges Gebäck, Kartoffelchips oder Fruchtsaft, fast jede werdende Mutter hat zumindest phasenweise einen ganz besonderen Appetit. Am stärksten treten die Schwangerschaftsgelüste im ersten oder zweiten Trimester auf. Sie können sich durch die ganze Schwangerschaft ziehen, oder nur kurzzeitig einsetzen. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass Frauen, die in der Frühschwangerschaft mit starker Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen haben, später eher zu besonderen Essensgelüsten neigen.

Schwangerschaftsgelüste auf Süßes

Süßes und Gebäck sind bei Schwangeren meist sehr beliebt.


© iStock
Woher die Essensgelüste in der Schwangerschaft kommen, ist unklar. Was jedoch feststeht: Besondere Schwangerschaftsgelüste lassen nicht auf das Geschlecht des Babys schließen. Ein solcher Zusammenhang konnte bisher in keiner Untersuchung nachgewiesen werden.

Schwangerschaftsgelüste könnten ein wichtiges Signal sein


Eigentlich kaum zu glauben, dass es bis heute keine eindeutige Erklärung für das Auftreten von Essensgelüsten in der Schwangerschaft gibt. Schließlich zählt der besondere Appetit von werdenden Mamas wohl zu einem der größten Klischees beim Thema Schwangerschaft. Doch meist sind die Schwangerschaftsgelüste moderat und längst nicht so übermäßig und verrückt, wie von Außenstehenden oder in Filmen beispielsweise dargestellt. Trotzdem kennen zwischen 50 und 90 Prozent aller Schwangeren diese besonderen Appetit-Phasen.

Wissenschaftler haben heute verschiedene Ideen, warum sich der Körper vor allem in der Schwangerschaft nach ganz bestimmten Lebensmitteln sehnt. Einerseits seien da die Hormone, die den Geruchs- und Geschmackssinn beeinflussen und auf bestimmte Areale im Hirn einwirken, die den Appetit steuern. Warum sie das tun, könnte mit einer weiteren Theorie beantwortet werden. Demnach reagiere der Körper mit den Essensgelüsten auf einen akuten Nährstoffmangel, zum Beispiel von Vitaminen und Mineralien, deren Bedarf in der Schwangerschaft gesteigert ist. Durch den Heißhunger auf bestimmte Lebensmittel könnte der Körper also anzeigen, was ihm gerade fehlt und wo er es jetzt schnellstmöglich herbekommt.

Das klingt alles in allem logisch, es konnte aber bisher in keiner Untersuchung eindeutig bestätigt werden, dass dies der wahre Grund für Schwangerschaftsgelüste ist. Dennoch lautet der Rat von Ärzten und Hebammen im Allgemeinen: Gelüsten dürfen Sie ruhig hin und wieder nachgeben, wenn Sie ansonsten auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. 
Schwangerschaftsgelüste und ihre mögliche Bedeutung
➤ Schokolade & Süßes: Beides liefert in erster Linie einen schnellen Energieschub und hebt den Blutzuckerspiegel an, der aufgrund der erhöhten Insulinproduktion in der Schwangerschaft in der Regel niedrig ist. Zudem ist vor allem Schokolade im Gegenteil zu Alkohol, Zigaretten und hohem Kaffeekonsum ein „erlaubtes“ Genussmittel, bei dem Frauen nur zu gern zugreifen, wenn sie schon auf die anderen Dinge verzichten müssen. Außerdem schüttet der Körper beim Verzehr von Schokolade Glückshormone aus, vielleicht ist der Appetit darauf also auch emotional bedingt -  denn schließlich fahren die Emotionen in der Schwangerschaft gern mal Achterbahn. Eine weitere Theorie besagt, dass Appetit auf Schokolade auf einen Magnesiummangel  hindeuten könnte. Unbändiger Heißhunger auf Süßes könnte jedoch auch ein Zeichen für eine Schwangerschaftsdiabetes sein – lassen Sie dies im Zweifel von Ihrem Arzt checken.

Haben Sie mit Heißhunger auf Schokolade zu kämpfen, versuchen Sie auf Zartbitter-Sorten oder Nüsse zurückzugreifen, als gesündere Alternativen zu Milchschokolade. Ansonsten können süße Früchte den Süßhunger genauso stillen, wie Gummibärchen und Co.

➤ Fettiges (z.B. Fast Food): Leider haben sich Schwangerschaftsgelüste in den letzten Jahrzehnten immer mehr ins Ungesunde entwickelt. Pommes, Burger, Pizza und fettige Knabbereien sind besonders beliebt. Fett als Geschmacksträger macht viele Schwangere einfach an, was vermutlich am veränderten Geschmackssinn liegt. Außerdem liefern Lebensmittel mit hohem Kaloriengehalt Energie, die der Körper in der Schwangerschaft braucht. Zudem ist Fast Food heute sozial akzeptiert und beinah rund um die Uhr und an jeder Ecke verfügbar.

Achten Sie darauf, dass Sie Ihren Appetit zügeln! Fast Food enthält nicht nur jede Menge Kalorien, sondern auch ungesunde gesättigte Fettsäuren. Um nicht in Heißhunger zu geraten, essen Sie regelmäßig viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt und achten Sie auf eine nährstoff-und abwechslungsreiche Ernährung.

➤ Obst und Gemüse: Mmh, was kann es besseres geben als einen knackigen Apfel, eine saftige Melone oder süße Erdbeeren? Appetit auf frisches Obst und Gemüse zählt eindeutig zu den wünschenswertesten Schwangerschaftsgelüsten, denen Sie in aller Ruhe nachgeben können. Schließlich stecken in Obst und Gemüse viele wichtige Vitamine und Nährstoffe, zudem Wasser, das der Körper in der Schwangerschaft in erhöhtem Maße braucht. Haben Sie Appetit auf etwas Fruchtiges, könnte Ihr Körper also eine Ladung (bestimmter) Vitamine und Flüssigkeit gebrauchen.

Übrigens: Auch Säfte dürfen in diesem Zusammenhang gern verzehrt werden, achten Sie jedoch darauf, dass diese keinen Zuckerzusatz enthalten. Am besten eignen sich frisch gepresste Fruchtsäfte und selbst zubereitete Smoothies.

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➤ Saure Speisen (z.B. Zitronen, Essig): Viele Schwangere würden hin und wieder gern in eine Zitrone beißen. Dieser Appetit könnte für einen Mangel an Vitamin C und Vitamin D stehen, oder einfach der Lust nach etwas Saurem entsprechen, um die durch die Schwangerschaft veränderten Geschmacksnerven zu kitzeln. Einige Schwangere stehen genau deshalb so auf eingelegte Gurken, Sauerkraut oder Essig-Chips. Eine weitere Theorie besagt, dass der Appetit auf etwas Saures anzeigt, dass der Körper zu wenig Magensäure produziert, die für die Verdauung benötigt wird.

➤ Salzige Snacks (z.B. Kartoffelchips): Neben Schokolade und Süßigkeiten stehen
Kartoffelchips und ihre salzig-fettigen Verwandten ganz oben auf der Liste der häufigsten Schwangerschaftsgelüste. Es gibt die Theorie, dass der Appetit auf Salziges in der Schwangerschaft auf einen Natriummangel hinweist, schließlich steigt in der Schwangerschaft das Blutvolumen der werdenden Mutter an, wodurch auch ihr Natriumbedarf wächst.

Bessere Alternative: Versuchen Sie Ihren Hunger auf salzige Snacks durch Käse, Oliven, gesalzene Reiswaffeln oder Fisch zu stillen. Auch Salzstangen sind im Zweifel eine gesündere, weil weniger fettige Alternative zu Kartoffelchips. Und wenn es unbedingt Chips sein sollen, dann machen Sie diese doch einfach mal selbst. Dann enthalten sie weniger Fett als die fertigen Chips aus der Tüte.

➤ Scharf gewürzte Speisen: Wenn Ihnen eine Speise kaum zu scharf sein kann, könnte das auf einen Zinkmangel hinweisen. Andere Theorien besagen, dass scharfes Essen und die darauffolgenden Schweißausbrüche den Körper herunterkühlen, was vielen Schwangeren mit Hitzewallungen nur Recht sein kann. Ansonsten könnte auch hier das veränderte Geschmacksempfinden als logische Erklärung für den Scharf-Hunger herhalten.

Beim Würzen Ihrer Speisen brauchen Sie sich als Schwangere nicht zurückhalten. Ihr Baby merkt davon noch nichts, es könnte allerdings im späteren Leben eine Vorliebe für Scharfes entwickeln, wenn Sie regelmäßig scharfe Speisen verzehren.

➤ Rotes Fleisch: Auch ein typischer Schwangerschaftsappetit ist der auf Fleisch. Selbst Vegetarierinnen entwickeln in der Schwangerschaft hin und wieder unbändige Lust auf Fleisch. Rotes Fleisch, also Rind, Schwein und Kalb, enthält eine Menge Protein und Eisen. Ein Mangel an diesen Nährstoffen könnte also zum Fleischhunger führen. Achten Sie darauf, dass Fleischgerichte stets gut durchgebraten sind.

➤ Milchprodukte: In Milchprodukten wie Käse, Joghurt und Quark stecken jede Menge Kalzium und Eiweiß. Es wäre also naheliegend, wenn ein Mangel an diesen Nährstoffen einen akuten Milch-Jieper auslöst.

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➤ Eiscreme und Eis: Eis, egal ob als süße oder saure Eisspeise oder in Form von Eiswürfeln, erfrischt und kann den Körper zumindest kurzzeitig kühlen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass die Lust, Eiswürfel zu lutschen und zu kauen, eventuell in Verbindung mit einer Blutarmut (Anämie) steht. Sie sollten diesen speziellen Appetit deshalb bei Ihrem nächsten Vorsorgetermin ansprechen.

➤ Verrückte Kombinationen: Nur die wenigstens Schwangeren werden wohl wirklich zur sauren Gurke greifen und sie in Apfelmus dippen. Doch hin und wieder berichten Schwangere von solchen Essensgelüsten auf absurde Kombinationen, meist trifft dabei Süßes auf Salziges. Eine mögliche Theorie dazu lautet, dass der Körper so versucht, eine möglichst große Bandbreite an Nährstoffen aufzunehmen, um das wachsende Kind im Bauch optimal zu versorgen.

➤ „Comfort Food“: Manchmal hat man gar nicht unbedingt Appetit auf etwas Süßes, Salziges oder Saures, sondern auf eine ganz bestimmte Speise aus der eigenen Kindheit. Sehnt sich eine Schwangere also plötzlich nach Omas Quarkkeulchen oder nach Mamas Gulaschsuppe, dann hat das vielleicht emotionale Gründe: Sie sehnt sich nach dem Gefühl des Umsorgtwerdens und nach Geborgenheit.
Plötzlicher Appetit auf Ungenießbares: Pica Syndrom in der Schwangerschaft
Einige Frauen würden sich wohl wünschen, Appetit auf so etwas Banales wie Kartoffelchips und Fruchtjoghurt zu haben. Stattdessen kämpfen sie mit der absurden Lust auf ungenießbare Dinge, wie Lehm, Waschpulver, Kreide oder Kohle. Vor einigen Jahren machte beispielsweise die Britin Jade Sylvester Schlagzeilen, als sie in den Medien davon berichtete, dass sie in ihrer Schwangerschaft Heißhunger auf Toilettenpapier hatte. Etwa eine Rolle soll sie pro Tag „genascht“ haben.

Mediziner sprechen bei dieser Appetitstörung vom Pica-Syndrom. Das gibt es nicht nur bei Schwangeren, auch nicht-schwangere Menschen können das Syndrom entwickeln. Relativ häufig kommt da zum Beispiel das Essen der eigenen Haare vor.
Wie die normalen Schwangerschaftsgelüste hat man auch für die Pica-Gelüste noch keine Erklärung gefunden. Aber auch hier lautet die Vermutung, dass ein akuter Nährstoffmangel den Appetit auf Seltsames auslöst. So leiden die Betroffenen häufig an einem Eisen- oder Kalziummangel. Je nachdem, worauf der Appetit am stärksten ist, könnten aber noch speziellere Mangelzustände ursächlich sein.

Das Pica-Syndrom kann gefährlich werden, wenn die Mutter den Gelüsten nachgibt. Beim Verzehr von ungenießbaren Dingen besteht das Risiko von Vergiftungen von Mutter und Kind oder schädigenden Einflüssen auf die Entwicklung des Fötus. Verspüren Sie Appetit auf Seltsames, sprechen Sie dies unbedingt bei Ihrem Frauenarzt an!

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